Georgien 2019

Digitale Bildung ist gut. Reisen auch!

29.07.2019 | 14:25 Uhr

Mal so als Gedanke: Was wäre, wenn Klassenfahrten nur noch in die Wildnis gingen? Nach Afrika, oder Brandenburg, in die Karpaten, den Teutoburger Wald, oder hierhin: Ushguli, Georgien/Swanetien

Ich kann mich über die ganze Welt digital informieren, mich vernetzen und organisieren und neu erfinden. Aber erleben geht nicht. Bedürfnisse, Kräfte, Ausdauer, Geduld…- mir begegnen, mich wahrnehmen und besten Falls über mich hinauswachsen geht für mich draußen im Abenteuer.

Raus aus der Komfortzone, rein ins Leben meinetwegen per GPS.

4 Tage wandere ich durch swanetische Bergdörfer. Ein 9Kilo Rucksack beinhaltet meinen kompletten Besitz. Und das ist schon mehr als nötig.

Viele Höhenmeter, eine Flussüberquerung, Wildpflanzenparadiese mit üppiger Artenvielfalt, Kuhscheiße und ungepflasterten Straßen, die von Sturzbächen des letzten Regens gesäumt sind.

Im letzten Moment weiche ich zwei galoppierenden Pferden aus, was mich direkt in eine Kuhherde wirft. Ein Stier glotzt mich an. 

Eine alte Frau mit lichtem Gebiss treibt herrschend ihre Ziegen durchs Dorf, dem geilen Bock keine Ruhe gönnend. Hektisch aufspringen… – unterwegs kein Stich.

Eine Schweinefamilie biegt links in die Hauptstraße und läuft unbeirrt über die neue Terasse des Hotel Edelweiss. Weiter so!

Eine Hundewelpe begleitet mich spielend.
Meine Schuhe in der Sch…..
Egal, wer nur auf den Boden schaut verpasst das glänzend weiße Licht, welches ein erhabener Gletscher still entgegensetzt

Und ich fühle mich wohl da mitten im Leben. Ein großer Makerspace am Arsch der Welt kurz vor Russland. Ich übernachte in selbstgebastelten Guesthouses die mich an Kinderzeiten auf Abenteuerspielplätzen erinnern, wo wir mit ein paar Brettern und einer Handvoll Nägeln unsere eigenen Hütten bauten. So wie wir konnten und wollten und vor allem eins: selbstbestimmt. Getrieben vom Drang nach Unabhängigkeit und Freiheit.

Ein junger Georgier nimmt uns später mit unter die Oberfläche von Blumenwiese und Abenteuerromantik. Wir sind in seiner Heimatstadt Gori, in der die größte Sehenswürdigkeit das Geburtshaus Stalins ist. Mit angrenzendem Museum, in dem der Merchstand vom T-Shirt bis zur Wasserflasche Stalinsouvenirs bietet und es eine völlig unreflektierte und kritikfreie Führung gibt.
George erzählt uns vom letzten Einmarsch der Russen in Gori im Jahr 2008, bei dem es 11 Tote gab.

2008! Geschichten von einmarschierenden Russen kenne ich nur von Opa und Vater.

Zurück zum Klassenfahrtgedanken:
Zeitgemäße Bildung im 4K Model wäre garantiert: Kreativ, kommunikativ, kollaborativ und kritisch gedacht!!!

Plus Kühe, Kirche, Kuchen, Koriander.

Alle Sinne auf Sendung. Alles nah dran. Unumgänglich und unausweichlich spürbar. Geschichten erfahren, die sonst nie in meinen Radar kämen.

Ich sehe Eltern, die mit ihren 3 Kindern (7/12/15) die gleiche Tour machen. Pubertierende junge Mädchen posieren in schwindelerregender Höhe vor dem weißen Gletcher, die Haare kurz aufgeschüttelt, Bauch rein, Brust raus, Po in den Leggings schön im Profil.
Sie liefen den gleichen anstrengenden Weg, überquerten den Fluss, übernachteten in Bretterbuden, wichen Ziegenherden und Kuhscheiße aus und spielten mit Hundewelpen. Und verteilten Leichtigkeit.

Schade, ich hatte keine Gelegenheit sie zu fragen, wie es zu der Entscheidung kam und was diese Tour für sie bedeutet hat.

Ich empfinde nach einer solchen Reise vor allem eins: Dankbarkeit. Darüber dass ich das machen kann, dass mein Körper gesund und kraftvoll ist, dass ich die finanzielle Unabhängigkeit dafür habe, den Mut und eine intakte Psyche. Gewachsen und beschenkt mit Sinneserfahrungen, Horizonterweiterung und einmaligen Erlebnissen richte ich Gedanken, Ziele und Ansprüche neu aus.

Und freue mich, dass ich das alles nochmal mixen kann. Mitgebrachte Bilder, Sounds und kleine Movies drehe ich mit verschiedenen App-Spices durch den digitalen Wolf, verlängere so die Reise und erlebe und gestalte neu.

 

Georgia 2019 ist eine spontane Improvisation mit Originalsounds & Voices und  dem „Georgian Tech“-Modul in der App Jambl. Ein Spiegel erlebter Kräfte und Ebenen: Die Verbindung zu Gott und Kirche, der schnelle Puls der Stadt, die über Tiflis wachende Mother of Georgia, der kraftvolle kreative Aufbruch.

Projektidee: Feriensounds – sammeln, samplen, loopen, live spielen

Geht mit offenen Ohren in eure Ferien.

Sammelt Sounds mit der App Audioshare. Lass deinen Lieblingssound in Audioshare im Hintergrund im Loop laufen und öffne die App Jambl. Hier suchst du dir ein Soundpack aus und entwickelst Drums, Bass, Chords und Melodie zu deinem Feriensound. Finde heraus wie deine Sounds deine Komposition in Jambl beeinflussen. Zu welchen Sounds, zu welchem Tempo und zu welchen Effekten bewegt dich ein Meeresrauschen, ein Grillenchor, Streetsounds oder ein Vogelgezwitscher.

In Jambl findest du nichts passendes? Probier Playground, NodeBeat oder Remixlive.

Viel Spaß!

Fotos: ©C.Varga, F.Hohberger