Carcassi Etude, Appmusik & ein Dreirad

03.03.2018 | 21:34 Uhr

Es ist wieder passiert: In einem Appmusik-Workshop für Musiklehrer höre ich nach sechs gemeinsamen kreativen Stunden (gerne auch in vorwurfsvollem Ton, so als hätte ich in Person das Tablet erfunden und damit ein unfassbares Unheil in die Welt gebracht) dieses Feedback:

„Ich weiß nicht was das alles soll mit den Apps und der Elektronik. Ich weiß nicht was das bringen soll. Ich unterrichte Gitarre und da kann ich nichts davon verwenden. Außerdem lernt der Schüler da nix. Ist alles nur Spielerei. Wo soll das hinführen wenn alle nur noch auf einer Glasplatte spielen.“

Puhhhh…..

Ich antworte:
„Wenn Du deinem Schüler auch beibringst sein 700€- Mobilgerät musikalisch kreativ zu nutzen, dann könnte sich folgene Situation ergeben:
Er begrüßt Dich eines Tages mit ‚Guten Tag Herr XY, schauen Sie mal: Ich habe in der letzten Woche die Carcassi-Etude Op. 60. No. 7 hier in dieser App eingespielt, dann habe ich mir in der Brasilien Drum Machine einen schönen Sambagroove zurechtgelegt und hören Sie mal….., hören Sie diesen einen speziellen Sound auf der „4 und“ in jedem 8ten Takt? Das ist das quitschende Dreirad meiner kleinen Schwester. Ich hab es aufgenommen, leicht gepitcht und hier eingefügt…! Alles mit meinem Smartphone.‘

Ziemlich sicher blickst Du in dem Moment in ein stolzes strahlendes und motiviertes Gitarrenschülergesicht.

Jetzt hast Du zwei Möglichkeiten:

  1. Auf Augenhöhe kommunizieren:

„ Sehr cool. Tolle kreative Arbeit. Wenn das meine Komposition wäre würde ich mal probieren eine Bratsche ab Takt 17 mit langen Tönen hinzuzufügen. Wenn Du Lust hast probier es aus, wie klingt beispielsweise die Quinte an der Stelle? Ich bin schon jetzt gespannt auf nächste Woche.
Und übrigens: Beim nächsten Vorspiel wollen wir Deine Kreation natürlich hören. Kannst Du Dir vorstellen die Etude dann live zu Deinem Playback zu spielen?!“

oder 2.:
„hmmm…ja, ist eben alles so ne Spielerei …laß uns jetzt ans richtige Instrument gehen.“

Bumm, tot.